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Mountainbiken in Schweden PDF Drucken E-Mail

Auch für mich war klassisches Mountainbiken in Schweden absolutes Neuland. Schweden bedeutete für mich ebenso wie für viele andere in meinem Bekanntenkreis eher Radtouren mit viel Gepäck - Campingkocher und Zelt inklusive.
Nachdem Nici und ich uns jedoch auf einen Outdoor-Urlaub geeinigt hatten, der nicht ausschließlich im Bike-Sattel stattfinden sollte, machte ich mich auf die Suche nach MTB-tauglichen Tagestouren in Südschweden - zwischen Malmö und Vänern-See. Und ich muß zugeben es war nicht ganz einfach. Typische Bike-Literatur wie ich sie für die Alpenregionen kenne, war gar nicht aufzutreiben, weder in deutscher, englischer noch in schwedischer Sprache. (Wer hier einen Tipp kennt möge ihn mir mailen.)
Schöne Strecken gibt es im Süden Schwedens aber trotzdem...

 

Es lohnt sich grundsätzlich das Bike für in den Kofferraum zu laden. Die zahlreichen kleinen Städte und Dörfer und die verstreuten Sehenswürdigkeiten laden zu Erkundungstouren im Sattel ein. Und es macht in jedem Fall mehr Spaß mit einem vernünftigen MTB über die Feldwege zu gleiten, als auf einem der zahlreich angebotenen Leih-Holland-Räder entnervt aufzugeben.

 

Um echte Trailstrecken zu finden, habe ich auf etwas zurückgegriffen, was mir schon in der Vergangenheit oft mal auf die Sprünge geholfen hat. Die roten Wanderführer aus dem Bergverlag Rother sind zwar nicht für uns Biker gemacht. Aber mit etwas Erfahrung lässt sich meist recht gut abschätzen, welche Wandertouren noch fahrbar sind und welche in elender Schieberei enden. Also gabs für mich als Arbeitsbasis "Schweden: Süd und Mitte - Malmö bis Östersund". Sechs Touren hab ich auf dieser Basis ausgesucht und mit Hilfe von Kartenmaterial, daß ich mir dann vor Ort besorgt habe, getestet. Zu meiner freudigen Überraschung: jede Tour war ein Treffer. Drei davon möchte ich hier beschreiben.

Tourentipp 1: Der Plateauberg Hunneberg wird durchzogen von schätzungsweise etwa 100km Wanderwegen - die meisten davon als Rundwege angelegt. Einige sind als Nordic-Walking-Strecken bestens markiert, andere erfordern durchaus Gespür und ein Mindestmaß an Orientierungssinn. Ich persönlich hab mich aufgemacht um vom Tourist-Center aus eine Kombination aus drei markierten Trails zu fahren - insgesamt etwas über 30 km. Die Wege verlaufen fast durchgehend auf schmalen Waldwegen mit Schwierigkeiten bis S1 ohne lang auf Schotterpisten oder Teerstraßen auszuweichen. Bei einer geringen Zahl an Höhenmeter ist die Tour sowohl landschaftlich als auch vom Untergrundmix ein absoluter Genuß.

Tourentipp 2: Hidens Rev ist eine unglaublich schmale und etwa 4 km lange Landzunge die in den Vänern-See hineinreicht. Kurz vor dem Beginn der Landzunge gibt es zwar einen Wanderparkplatz. Aber besser ist es, dem Auto das letzte Stück zu ersparen und weiter vorne bei der Badestelle oder gleich am Ende der Teerstraße zu parken. Von dort dehnt sich die Tour auf gut 20 km aus. Am Anfang einfache Waldwege, steigert sich das Fahrvergnügen auf einen Wurzeltrail mit S2-Niveau, bevor es zum Ende der Strecke auf verblockte Steinpassagen übergeht, die nahezu S3 erreichen. Je nach Reifenbreite sind die Abschnitte durch tiefe Kieselfelder spaßiges Vergnügen oder zwingen zum Schieben. Mit 2.25-Schlappen ging es gerade so. Besonders lohnenswert wird die Tour wenn man seine Brotzeit einpackt und auf dem gerade mal 20m breiten freien Landstück am Ende der Zunge Pause macht.Wer diese Strecke fahren will darf sich über die verdutzten Gesichter der vielen Ausflügler und Wanderer, die ohne Rad unterwegs sind, nicht wundern.

Tourentipp 3: Kullaberg ist ein Naturreservat in der Nähe der kleinen Küstenstadt Mölle. Auch diese kleine Halbinsel wird von zahlreichen Wanderwegen durchzogen. Während zum Leuchtturm sehr gute Straßen und Wege führen, sind die angelegten Wanderwege eher anspruchsvoll für den Durchschnitts-Biker. Die zahlreichen verblocken Granit-Passagen im S3-Bereich haben mein Race-Hardtail ziemlich an seine Grenzen gebracht ( - mich natürlich nicht ;-) ). Trotzdem macht es Spaß die eher kurzen schweren Abschnitte mehrmals durchzuspielen. Wer vorsichtig starten will, sollte zunächst auf dem blauen Wanderweg einsteigen, der rote Weg ist noch mal ein ganzes Stück schwerer. Wer sich nun angesichts "Naturreservat" Gedanken über die Naturverträglichkeit meines Handelns macht - wir waren mindestens genauso naturverträglich wie der Golfplatz der einen Großteil des Naturreservats bedeckt und der Klettergarten an den Nordklippen! Die Wege sind naturfest, es gibt also bei sauberer Fahrweise keine Schäden am Bodenbewuchs. Die aus meiner persönlichen Sicht wirklich schützenswerten Bereiche hinter dem Leuchtturm sind ohnehin dem Weltklasse Trial-Biker vorbehalten. 

Viel Spaß beim Erkunden von Schwedens Süden....